Peter Winkler malt abstrakte Bilder – und wenn er Lust darauf hat, auch lachende Kühe und rosa Ferkel. Er erlebt die Freiheit der Kunst nicht aus zweiter Hand. Er malt das, was er will und was er malte, das wollte er – und er will es weiter.

Wo kann man ihn positionieren? Wo positioniert sich Peter Winkler selbst? Für formale und stilistische Ansatzpunkte seiner expressiven Arbeit findet er derzeit Inspirationen bei Kokoschka – aber das kann sich ändern, denn derlei Festlegungen mag er nicht. Nach langen Berufsjahren mit Vorschriften, Gesetzen und Berechnungen ist ihm die Freiheit der Kunst heilig, sozusagen das Glaubensbekenntnis seines Schaffens.

Er erlebt Kunst nicht aus zweiter Hand. Jetzt muss er nicht mehr genau wissen wohin die Reise geht – und schon gar nicht begründen, was er malt und warum. Sein Kompass ist seine Neugier: er lernt und probiert, erweitert sein Arsenal an Ausdrucksmitteln, geht in Museen und Ausstellungen und hält den Horizont weit offen: als sein eigener Auftraggeber und auf der Suche nach dem authentischen Ausdruck..

Anlass für ein Bild kann alles sein, ein alltäglicher Gegenstand, eine Situation oder das Modell im Atelier – doch das Motiv ist ihm stets nur Vorwand. Die ersten Eindrücke werden vom inneren Auge weitergedacht; und er gibt sie sogleich und mutig an die Ansprüche ab, die sich ihm mit den ersten Kreide- und Pinselstrichen aufdrängen. Was sicher ist: er denkt nicht darüber nach, wie das fertige Bild aussehen soll. Er stellt provozierend Farben oder Formen aufs Blatt und schaut selbst fast fasziniert zu, wie sein Bild entsteht und wie das Blatt oder die Leinwand zu leben anfangen.

Oft beginnt Peter Winkler mit großen, schnell angelegten Linien oder Farbschwüngen, eine Art geometrisches Fundament, eine stabile Grundlegung. Aber die Kompaktheiten löst er gleich mit Farben auf, schafft mit größeren Farbflächen Durchbrüche, wie helle Fenster. Gleich legt er Entgegengesetztes dazu und verschiebt die Kräfte, trennt Verwandtes, findet überraschende Verwerfungen, entdeckt Ergänzungen – und malt schnell eine Form dazu, die wieder neue Bildräume aufmacht – expressiv und voller Energie – so stabil und gleichzeitig so offen wie möglich. Beim Akt setzt er auf Kohle und Kreide, werkt in großflächigen Schwüngen, verdichtet, lichtet wieder auf, verdichtet wieder – und wischt schließlich mit Acrylweiß die zerzausten Linien zu vielen Schattierungen zusammen.

Peter Winkler verbraucht sehr viel Weiß und Schwarz – aber am liebsten mag ich sein leuchtendes, energetisches, erotisches Rot, die Farbe des Feuers, des Blutes, der politischen Agitation und der Liebe und all der anderen Assoziationen zu dieser dominantesten Farbe. Er bringt es so zum Glühen, dass selbst das kalte Kobaltblau daneben errötet.

Ausladende Leinwände stehen neben kleinformatigen Arbeiten, die man gerne neben- und miteinander betrachtet: die weiten sich von den Rändern her nach und nach aus und führen immer deutlicher zu einer spannenden malerischen und starken Aufbruchskraft.

Bei Titeln zeigt sich Peter Winkler zurückhaltend: sein Thema ist immer das Miteinander und Gegenüber der Farben, auch wenn er vom konkreten Motiv her kommt; in seinen besten Arbeiten trägt die Malerei ihren Sinn, ihre Bedeutung völlig in sich selbst.

Erlebnis vor Ergebnis< lautet das Motto des Kunstvereins Velden, dem Peter Winkler seit etlichen Jahren angehört, und das passt wie maßgeschneidert. Bei Kunstgesprächen kann er leidenschaftlich mitdiskutieren und durchaus auch laut werden, aber dann geht er wieder an die Staffelei oder in die Keramikwerkstatt. Wenn er etwas aus seinem Berufsleben herübergenommen hat, dann dies: er ist fleißig. Und weil er sich in verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen bewegt, lässt er es nicht zu Routine oder Wiederholung nach Rezept kommen. Jedes fertige Bild wird sofort zur Triebfeder für eine neue Arbeit. „Ich bin kein Träumer, ich lebe meinen Traum“ sagt er. Die Einladung, als Betrachter seiner Bilder ein wenig den Traumdeuter zu spielen, nehmen wir gerne an.

Dr. Gerda Madl Kren (Kunsthistorikerin)